Mit dem diesjährigen Caligari Förderpreis unterstützt die Barbara Carl Stiftung gezielt junge Filmtalente an der Filmakademie Baden-Württemberg. Der Preis fördert Studierende im 3. Studienjahr, die sich in ihren Kurzfilmprojekten reflektiert, sensibel und verantwortungsvoll mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen.
Nachwuchsförderung mit inhaltlichem Fokus
Der Caligari Förderpreis wird im Rahmen der jährlichen Preisverleihung an ein studentisches Filmprojekt der Filmakademie Baden-Württemberg vergeben. Unser Engagement als Stifter kam dadurch zustande, dass sich zwei Studentinnen vor über einem Jahr mit einer Förderanfrage an uns wandten, um das brisante Thema der Missstände im deutschen Rettungswesen in ihrem Filmprojekt thematisieren zu können. Nachdem nach dieser Förderzusage immer mehr studentischen Anfragen in unser Postfach flatterten, die wir nicht alle evaluieren und fördern konnten, wurde die Idee eines thematisch zweckgebundenen Förderpreises durch die Barbara Carl Stiftung geboren: Ausgezeichnet werden Projekte, die sich in besonderer Weise mit Themen unserer Stiftungszwecke befassen. Ziel ist es, diese gesellschaftlich oft zu wenig sichtbaren Bereiche durch Film einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eine fundierte Auseinandersetzung anzustoßen.
Kooperation mit der Filmakademie Baden-Württemberg
Die Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Filmakademie Baden-Württemberg e.V. basiert auf den langjährig bewährten Auswahlprozessen des etablierten Juryverfahrens der FABW. Nach Projekteinreichung und Jurierung präsentieren die Studierenden ihre Vorhaben im Rahmen eines Pitches, bevor die Nominierten für den Förderpreis ausgewählt werden. Unsere Stiftung fördert das Filmprojekt des Gewinners mit dem Preisgeld von 5.000€, damit die jungen Filmschaffenden ihre Themen mit der nötigen Sorgfalt, Zeit und Tiefe umsetzen können.
Perspektiven sichtbar machen, Empathie fördern
Die Barbara Carl Stiftung verfolgt mit ihrem Förderpreis-Engagement das Ziel, gesellschaftliche Herausforderungen sichtbar zu machen und differenziert zu beleuchten. Film hat die besondere Fähigkeit, Perspektiven zu eröffnen, Empathie zu fördern und komplexe Lebensrealitäten erfahrbar zu machen. Indem Studierende ermutigt werden, sich filmisch mit sozialen Fragen auseinanderzusetzen, entsteht Kino, das informiert, berührt und zum Nachdenken anregt – ohne zu vereinfachen oder zu moralisieren. Gerade junge Filmemacherinnen und Filmemacher bringen dabei neue Blickwinkel ein und erzählen Geschichten, die im öffentlichen Diskurs häufig übersehen werden. Mit der Stiftung des Caligari Förderpreises stärkt die Barbara Carl Stiftung ihre Stimmen in Projekten, die pädagogische, soziale und inklusive Anliegen mit kultureller Ausdruckskraft verbinden.
Der Caligari Preis 2026
Der Caligari Förderpreis der Barbara Carl Stiftung ging an diesem Jahr an das Filmteam von „Maison Baobab – Das Rasthaus in Rabat“ von Regisseur Leon Scheffold. Die „Maison Baobab“ ist ein von Migrantinnen selbstverwaltetes Rasthaus in der marokkanischen Hauptstadt Rabat. Rund siebzig Frauen leben hier auf engstem Raum – für einige Wochen oder Monate, auf der Durchreise, oft am Ende ihrer Kräfte. Es ist ein Ort des Schutzes, aber auch des Durchschnaufens, des Wartens und der Ungewissheit. Das Filmprojekt richtet den Blick konsequent auf weibliche Migrationsperspektiven, die im medialen Diskurs häufig fehlen. Es erzählt von Frauen, die den afrikanischen Kontinent durchquert haben und in Marokko – kurz vor dem erhofften Ziel Europa – auf unüberwindbare politische und strukturelle Hürden stoßen. Viele von ihnen haben keine Möglichkeit, auf legalem Weg nach Europa zu kommen, und sind am Ende ihrer Kräfte. Ohne zu dramatisieren, ohne zu vereinfachen, gibt der Regisseur Stimmen Raum, die sonst kaum gehört werden. „Maison Baobab – Das Rasthaus in Rabat“ steht für Kino, das nicht laut sein muss, um wirksam zu sein. Ein Kino, das hinschaut, wo viele wegsehen. Und das deutlich macht, dass politische Strukturen immer konkrete menschliche Biografien betreffen.
Wir gratulieren allen diesjährigen Gewinnern des Caligari-Preises herzlich und sind gespannt auf die filmische Umsetzung, die uns unbekannte Perspektiven zeigen und sicher lange nachwirken wird.